1. Einschätzung der wirtschaftlichen Situation
Die wirtschaftliche Situation in Brasilien stellte sich Ende 2011 als durchaus positiv dar. Ein erwartetes Wachstum des BIP von über 4 % für 2011 und 2012 stellen eine solide Grundlage dar. Für den Veranstaltungssektor kommen mit längerfristiger Perspektive noch die Fußball-Weltmeisterschaft in 2014 und die Olympischen Spiel 2016 hinzu. Die beiden Großevents werden zu verstärkten Ausgaben bei temporären Präsentationen und bei der Ausstattung der Veranstaltungsstätten führen. Das wirtschaftliche Umfeld ist im Vergleich zum Euroraum als durchaus entspannt zu bezeichnen.
Rund 100 „ernstzunehmende“ Messen finden lt. AUMA jährlich in Brasilien statt. Zwar sind diese nicht mit den Großen Veranstaltungen in Deutschland vergleichbar, doch für den „Emerging Market“ Brasilien sind diese Veranstaltungen gute Türöffner für Unternehmen, die auf diesem Markt Fußfassen wollen. Daher stellt Brasilien auch für die Deutschen Dienstleister der Direkten Wirtschaftskommunikation einen interessanten Markt dar, sei es für eigene Aktivitäten oder als Dienstleister für Deutsche Aussteller, die in den Markt eintreten.
Weniger Potential stellen derzeit noch für die Dienstleister der Direkten Wirtschaftskommunikation Unternehmen dar, die im großen Rahmen den Deutschen Markt erobern wollen. Da in Brasilien und den Nachbarländern die Binnennachfrage sehr hoch ist, wird derzeit vor allem der Südamerikanische Markt bearbeitet.
2. Branchenveranstaltungen
In Brasilien fanden in 2011 zwei Veranstaltungen für den Bereich der Direkten Wirtschaftskommunikation statt: Die Soccerex in Rio de Janeiro und die Exposystems. Bedauerlicherweise gab es bei den beiden Veranstaltungen eine Terminüberschneidung. 2012 wird es ebenfalls beide Veranstaltungen geben, danach „zieht“ die Soccerex weiter nach Moskau. Bleiben wird damit die Exposystems als einzige Veranstaltung, die aber noch Entwicklungspotential hat.
Weltweit größtes Vorbild für die Exposystems ist die EuroShop, die im Dreijahresturnus in Düsseldorf stattfindet (Nächste Veranstaltung 2014). In Ihrem Segment EuroExpo, der sich der Direkten Wirtschaftskommunikation widmet, stellen rund 250 internationale Aussteller auf 11.000 m² Standfläche aus. Gefolgt wird die EuroExpo von der Exhibitor Show, die jährlich in Las Vegas stattfindet. Hierbei handelt es sich um eine Veranstaltung mit rund 200 Ausstellern, 5.000 m² Ausstellungsfläche und rund 4.000 Besuchern.
Alle drei Messen richten sich ausschließlich an Fachpublikum.
3. Exposystems
Die Exposystems 2011 umfasste eine Nettostandfläche von 3250 m² auf der sich 107 Aussteller präsentierten. Insgesamt besuchten knapp 4000 Besucher die Veranstaltung. Ausländische Aussteller gab es neben dem Deutschen Gemeinschaftsstand noch 2 weitere. Insgesamt wurden von den Ausländischen Ausstellern 235 m² belegt. Der begleitende Kongress zur Exposystems fand täglich in den ersten drei Messestunden statt und beschäftigte sich mit Themen rund um erfolgreiche Präsentationen vor allem auf Messen. Am zweiten Messetag fand eine vom Veranstalter organisierte Messeparty im Anschluss an die Veranstaltung statt und bot die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen der Aussteller. Geöffnet war die Messe täglich von 13.00 bis 20.00 Uhr um dem Dauerstau Sao Paulos zu entgehen.
Mitte 2011 haben rund 50 Brasilianische Messebau-Unternehmen und –Dienstleister ABRACE, den brasilianischen Messebau-Verband gegründet. Ziele und Aufgaben des Zusammenschluss sind vergleichbar mit denen des FAMAB. Es geht darum den Austausch mit Veranstaltern zu fördern, Netzwerke zu bilden und ein Qualitätssiegel darzustellen. Im Rahmen der Exposystems gab es einen intensiven Austausch mit dem Verband, u.a. wurde auf seiner Mitgliederversammlung der Deutsche Gemeinschaftsstand mit seinen Zielen (Kontakt in den Brasilianischen Markt) und seinen Ausstellern präsentiert.
Insgesamt lässt sich zur Veranstaltung sagen, dass die Präsentationsqualität der Aussteller hoch war, es wurden Kommunikationskonzepte gezeigt – nicht einfach nur Standbau.
Leider war die Anzahl der Besucher für die drei Messetage zu gering. Gründe hierfür sind unterschiedliche zu nennen:
- Umzug in ein neues, etwas weiter außerhalb gelegenes Messezentrum
- Regenschauer, die den Verkehr in Sao Paulo an zwei Tagen zum erliegen brachten
- Zu geringe Besucherakquisition durch den Veranstalter (Beworben wurde die Messe vor allem in der eigenen Zeitung des Veranstalters „Ferreira & Congressos“
- Fehlende Einladungsaktion für den Deutschen Gemeinschaftsstand (wurde bundesseitig abgelehnt)
4. Deutsche Gemeinschaftsbeteiligung
Bei der Beteiligung an der Exposystems handelt es sich um die erste Deutsche Gemeinschaftsbeteiligung in Brasilien für den Bereich des Messebaus, der Direkten Wirtschaftskommunikation. Acht der zehn Aussteller waren zum ersten Mal Aussteller auf einer Messe in Brasilien, für alle war die Bundesbeteiligung ausschlaggebend für die Teilnahme an der Messe.
Die Resonanz der Aussteller auf die Veranstaltung war gemischt. Nur ein Aussteller fanden die Anzahl der Fachbesucher ausreichend, drei Unternehmen beurteilte sie als nicht ausreichend. Die Qualität der Fachbesucher bewerteten 44 % als gut und 56 % als ausreichend. Auch die Zielerreichung der Aussteller war gemischt, was das folgende Chart belegt.
Die Aussichten für das Nachmessegeschäft wurden von den Ausstellern zu 44% als positiv bewertet, die gleiche Anzahl konnte die Aussichten noch nicht beurteilen:
Immerhin zwei Drittel der Aussteller planen sich 2012 wieder an der Exposystems zu beteiligen, soweit es wieder eine Deutsche Gemeinschaftsbeteiligung gibt.
Weitere Deutsche Gemeinschaftsstände, z.B. der Bundesländer gab es auf der Veranstaltung nicht. Tochterunternehmen Deutscher Systemhersteller stellten separat auf der Messe aus.
Der Informationsstand war mit der Bundesbeauftragten, einer Person vom FAMAB, einer Person der Durchführungsgesellschaft und einer Dolmetscherin und einer Hostess besetzt. Das Angebot von Getränken und Snacks wurde rege angenommen. Ein solches Angebot sollte es auch weiterhin geben.
Gelobt wurde von allen Ausstellern ausdrücklich die professionelle, freundliche und Kompetente Betreuung durch die Durchführungsgesellschaft asfc, den Architekten gtp sowie der ausgesprochen gute Service durch die Dolmetscherin und die Standhostess.
5. Anregungen
Bei einer zukünftigen Deutschen Gemeinschaftsbeteiligung in Brasilien ist es wichtig, dass es begleitende Kommunikationsmaßnahmen zu der Veranstaltung gibt. Hierzu zählen Einladungen, Pressearbeit, ggf Anzeigen oder Beilagen in den amerikanischen Fachmedien. Der FAMAB hat bereits Kontakte zum Veranstalter aufgenommen und auch von ihm stärkere Einladungsaktivitäten gefordert. Diese ersetzen aber leider nicht eine Bewerbung der Beteiligung. Hier müsste Etat eingeplant werden und ggf. auch ein Kontakt zur Deutschen AHK aufgenommen werden.