Zwischen Anstoß und Anregung

30 Mitglieder beim überregionalen Treffen

Anstoß zur ersten Diskussion gaben schon die Räume der documenta12. Die Aue-Pavillons seien an die berühmte französische Gewächshaus-Architektur angelehnt, erklärte der documenta-Guide den 30 FAMAB-Mitglieder, die beim überregionalen Treffen teilnahmen.

Bei einigen FAMAB-Mitgliedern rief dies Ungläubigkeit hervor. Wohl weil das künstlerische Konzept der aus Stahl und durchsichtigem Kunststoff errichteten Bauten nicht unmittelbar ins Auge fiel.

Die Hose im Vordergrund
war auf einer Plattform präsentiert.
Die Installation mit Wandteppichen
hinten wies auf den Konflikt im
Nahen Osten hin.

Diesen Unglauben hinterließen einige Exponate. Als echter Schlüssel zu zahlreichen Kunstwerken erwiesen sich die beiden Guides der Gruppen. Ihnen gelang es, mit viel Hintergrundwissen zu den Künstlern und Hinweisen zur Symbolik der Kunstwerke deren Bedeutung zu erschließen. 

So hätte wohl ein Teekessel auf der Spitze eines Aussichtsturmes für die meisten allein wenig Sinn ergeben. Der Hinweis, dass der Teekessel auf Teehäuser und damit auf die Treffpunkte von Homosexuellen im Dritten Reich verweisen, trug zum Verständnis bei.  

Gelang es den Guides, einen Zugang zu schaffen, beschäftigten sich die beiden Besuchergruppen oft eingehend mit den Exponaten. Auch jenen, die zunächst schlicht erscheinen. Wie eine grüner, schlanker, mit einer spiegelnden Oberfläche versehener Quader, an einer Seite angeschrägt.  Er regt an, über die Wahrnehmung von Raum zu reflektieren. Um nämlich die angeschrägte Fläche wahrzunehmen, musste man den Quader umrunden. Nur von einer Seite besehen, nahm man ihn als ganzen Quader wahr. 

Die beiden Gruppen bekamen während der drei Stunden jeweils nur einen Teil der Ausstellung zu Gesicht. Dennoch sahen sie enorme künstlerische Vielfalt: Kleine, hintergründige  Arbeit, die erst auf den zweiten Blick Aufmerksamkeit erzeugte. Wie die Stickereien einer chinesischen Künstlerin, die ihre Arbeiten aus eigenem Haar fertigte.

Während einige Exponate nur so implizit auf ihr Thema verwiesen, taten andere das deutlicher. Etwa eine Installation eines afrikanischen Flüchtlingsbootes. Gefertigt aus Ölkanistern, deren Verschlüsse  offen standen. Als Hintergrund diente eine Bildwand, die eine südseeartige Idylle zeigte. Die dritte Ebene der Installation bildete ein Vers auf dem Boden - in Gänze ein spannungsgeladener Verweis auf die afrikanische Flüchtlingsproblematik. 

Bis hin zu raumgreifenden Installationen im Fridericanum: Ein Raum stellt hier das Endspiel der WM 2006 dar. Auf neun Bildschirmen, unter anderem als Computersimulation und -spiel, als Fernsehbild und mit den Pulsschlägen der Akteure - medial totalüberwachter Fußball.

Aber ob die Teilnehme des überregionalen Treffens nun vornehmlich Anstoß nahmen oder die Kunst genossen - in jedem Fall nahmen sie professionelle Anregungen mit.

 

 

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