Rund 10,3 Mrd. Euro gaben deutsche Unternehmen im 2005 für Maßnahmen der Direkten Wirtschaftskommunikation oder anders gesprochen für Messeauftritte und Marketing-Events aus. Dies entspricht rund einem Sechstel der Kommunikationsausgaben in Deutschen Unternehmen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie der Deutschen Post AG.*
Licht am Ende …?
Seit 2001 herrscht in Deutschland hinsichtlich Einkommensentwicklung, Konsumneigung und Konjunkturerwartung eine pessimistischere Stimmungslage. Die negative Anschaffungsneigung wird auf die hohen Energie- und Benzinkosten zurückgeführt. Sie belasten die privaten Haushalte mit 6,8 Mrd. Euro zusätzlich (180 Euro pro Haushalt/Jahr), wirken sich entsprechend negativ auf das Konsumverhalten und damit auf die deutsche Wirtschaft aus. Während die persönliche Einkommens- und Konsumsituation 2005 immer noch von Verunsicherung geprägt war, zeichnete sich bei den gesamtwirtschaftlichen Konjunkturerwartungen Ende 2005 ein offenbar positiver Trend ab. Der Export blieb auch im Jahr 2005 ein wichtiges Standbein der deutschen Konjunktur. Die Ausfuhr profitierte anhaltend von der inzwischen durch Lohnzurückhaltung und Konsolidierung erreichten internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Leichter Zuwachs bei den Ausgaben
Das Jahr 2005 stand gesamtwirtschaftlich im Zeichen der Konsolidierung, was die Marketingausgaben belegen: in 2005 wurden 67,2 Mrd. Euro (2004: 66,9 Mrd. Euro) in Deutschland in kommunikationspolitische Maßnahmen investiert. Insgesamt stiegen damit die Aufwendungen um rund 300 Mio. Euro, was einem Zuwachs von 0,5% entspricht. Diese Hochrechnung schließt nicht nur die gesamte externe Wertschöpfungskette ein, sondern zugleich alle internen Aufwendungen der Kommunikationspolitik in Unternehmen.
Direkte Wirtschaftskommunikation ist wichtige Säule im Marketing
Maßnahmen der Direkten Wirtschaftskommunikation haben sich als wichtige Säule im Marketing neben klassischer, Direkt- und Online-Werbung sowie PR etabliert. 10,3 Mrd. geben Unternehmen hierfür aus.
Steigende Investitionen in Messen/Events
Etwa 378.000 Unternehmen investierten 2005 in Messen und Events, dies entspricht 29% aller Unternehmen. Dabei stiegen die Durchschnittsaufwendungen von 24.300 Euro auf 27.300 Euro im Jahr womit deutlich wird, dass Messen und Events ein eher investitionsaufwendiges Marketing-Instrument darstellen und für kleine Unternehmen deshalb von geringerer Bedeutung sind.
Rund 4 Mrd. Euro und damit den größten Anteil der Kommunikationsausgaben haben die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in die Direkte Wirtschaftskommunikation investiert. Mit 37 % floss der größte Anteil der Spendings in die B2B-orientierte Kommunikation. Zwar hat der Handel einen höheren Nutzeranteil (35%) als das verarbeitende Gewerbe (30%), aber höhere Durchschnittsausgaben von 43.300 Euro weisen darauf hin, dass das verarbeitende Gewerbe bedeutend mehr in seine Messeauftritte und Marketing-Events investiert.
Knapp drei Viertel der Investitionen für Direkte Wirtschafts-kommunikation fließen in Messeauftritte
Insgesamt repräsentiert der FAMAB ein Umsatzvolumen von rund 2,5 Mrd. Euro, dies entspricht ca. der Hälfte der Ausgaben von Auftraggebern an Messebau-Unternehmen, Marketing-Eventagenturen und Messe-Architekten/Designer.
Schätzungen des AUMA und eigener Erhebungen zufolge fließen rund 70 bis 75 % der Ausgaben für Direkte Wirtschaftskommunikation in Messen und ca. 25 bis 30 % in Marketing-Events. Wobei sich die Situation im Handel anders darstellt, nur wenige Handelsunternehmen sind im großen Stil auf Messen präsent, vielmehr investiert diese Gruppe insbes. in Promotion-Events. Insgesamt sind die Werte für den Bereich der Marketing-Events damit höher als im Event-Klima 2005 erhoben. Dies ist vor allem auf eine unterschiedliche Erhebungssystematik zurück zu führen.
Wirtschaftliche Situation im Messebau
Leichtes Wachstum in 2005, Erholung in 2006 und ein zufrieden stellendes Jahr 2007 so lautet die Perspektive für den Messebau in Deutschland. Dieses Ergebnis brachte die Befragung der Mitglieder des Forum Messe und Ausstellung (FMA) im FAMAB im September 2006. Hierin spiegelt sich die positive Entwicklung der Veranstaltungen 2005 wider. Erstmals seit 2001 sind alle Parameter der Messewirtschaft positiv: So stiegen Aussteller- (Inland wie Ausland), Besucher- und vermietete m²-Zahlen im Vergleich zu den jeweiligen Vorveranstaltungen wieder an. Der positive Trend setzt sich im ersten Halbjahr 2006 fort. Die Ausstellerzahlen der internationalen Messen lagen um gut 1 Prozent über denen der jeweiligen Vorveranstaltungen (Gesamtjahr 2005: +2,6 %); auch die vermieteten Flächen wuchsen um knapp ein halbes Prozent (2005: +0,6 %). Die Besucherzahlen der internationalen Messen in Deutschland lagen rund 2,5 Prozent über denen der jeweiligen Vorveranstaltungen.
Die Zeichen der leichten Erholung lassen die FMA-Mitglieder entspannter in die Zukunft blicken: Die Situation der Branche sehen sie befriedigend (2,9), während sie dem eigenen Unternehmen eine „Zwei-Minus“(2,7) geben. Die Perspektive für 2007 klingt nach den letzten fünf Jahren fast euphorisch, so wird die Situation für die eigenen Unternehmen mit durchschnittlich „gut“ (2,3) bewertet. Für die Branche insgesamt ist man ein wenig pessimistischer (2,7).
Auswirkungen auf die Anzahl der Mitarbeiter hat der leichte Aufschwung kaum. Nachdem in 2004 die Anzahl der Beschäftigten um 7,5% auf 8.304 stieg, ist sie in 2005 (8.221) nahezu konstant geblieben.
Diversifizierung
Betrachtet man den Umsatz der FMA-Mitglieder, so ist dieser von 1,625 Mrd. Euro in 2004 auf 1,712 Mrd. Euro in 2005 gewachsen, für 2006 werden vorsichtig geschätzt 1,750 Mrd. Euro erwartet. Hintergrund für die Stagnation auf hohem Niveau ist zum einen die Steigerung der bebauten Quadratmeter auf Messegeländen zum anderen aber auch die Diversifizierung der Unternehmen. So wurden in 2004 5,128 Mio. Quadratmeter von FMA-Mitgliedern auf Messegeländen überbaut, in 2005 waren es 5,451 Mio. und in 2006 wird eine ähnliche Größenordnung erwartet. Die Anzahl der gebauten Stände entwickelte sich von 52.798. in 2004 auf 53.907 in 2005. Für 2006 wird erwartet, die Marke von 54.000 Ständen zu überschreiten.
Fast ein Sechstel ihrer Dienstleistungen erbringen die Messebau-Betriebe inzwischen aber außerhalb von Messegeländen, beispielsweise bei Road-Shows oder Marketing-Events. Dies entspricht rund 985 Tsd. Quadratmeter in 2005.
Internationalisierung
Deutlich erkennbar ist auch der Trend zur Internationalisierung: Ein Viertel des Umsatzes erzielen die Mitglieder des FMA inzwischen mit ausländischen Auftraggebern, weitere 18% werden mit Aufträgen im Ausland erwirtschaftet. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es 15,3% des Umsatzes, der mit ausländischen Auftraggebern bzw. 11,6% der im Ausland erzielt wurde.
Messebau-Unternehmen im FMA ist es damit gelungen, ihre Kompetenzfelder zielgerichtet und systematisch auszubauen und sich so ein Stück unabhängiger vom Messewesen in Deutschland zu machen. So ist das leicht überdurchschnittliche Wachstum und der positive Blick auf die wirtschaftliche Situation zu erklären.
Die Entwicklung in der Live-Kommunikation
Auf Grund einer veränderten Erhebungssystematik wurden die Ergebnisse der Mitglieder des Forum Marketing-Eventagenturen (FME) für den Zeitraum ab 2004 nach unten korrigiert. Ein Grund hierfür ist, dass man sich auf ein niedrigeres Hochrechnungsniveau durch eine Basiskennzahl von 50 Agenturen entschieden hat. Aus diesem Grund wird ein Vergleich der Branchendaten erst ab 2004 durchgeführt.
Der Umsatz (Billings) der FME-Mitglieder betrug 2004 334 Mio. Euro, 30 % hiervon machte der Honorarumsatz (Gross Income) aus. Dies entspricht 110,2 Mio. Euro. Für 2005 konnten die im FME organisierten Agenturen ein Wachstum von Umsatz und Honorarumsatz um rund 20 % realisieren. Dies entspricht nicht dem Branchendurchschnitt, der geringer angesiedelt ist. Hieran kann einmal mehr erkannt werden, dass im FME die Besten der Branche organisiert sind. Für 2005 ergeben sich damit Umsatzzahlen von 405,1 Mio. Euro Billings und 119,84 Mio. Euro Gross Income. Für 2006 werden, bedingt auch durch die Sonderkonjunktur der Fußballweltmeisterschaft 527 Mio. Euro Umsatz und 156 Mio. Euro Honorarumsatz erwartet.
Positiv zeigt sich neben dem Umsatz auch die Personalentwicklung: Um 5,9% stieg die Anzahl der fest angestellten Mitarbeiter von 2004 auf 2005 in einer FME-Agentur. In einem schwierigen Umfeld, bei dem zwar die Umsätze und Honorare überdurchschnittlich wuchsen, dies aber keinen Effekt auf die Margen hatte, zeigt sich das Berufsfeld der Live-Kommunikation als zukunftsträchtig.
Anzahl der Veranstaltungen
Die Anzahl der in 2005 durchgeführten Veranstaltungen betrug 4.350 und entspricht damit exakt dem Vorjahreswert. Allerdings ist eine Verschiebung ins Ausland zu erkennen: Waren es in 2004 noch 3750 Veranstaltungen in Deutschland, waren es in 2005 nur 3600. Dafür fanden 2005 750 Marketing-Events im Ausland statt im Vergleich zu 500 in 2004. Für 2006 wird ein massiver Anstieg bei den Veranstaltungen im Inland erwartet, bedingt durch das sportliche Großereignis in diesem Sommer.
Eventarten
Betrachtet man die Aufteilung des Umsatzes nach Eventarten, so machen Corporate Events mit einem Anteil von 54% weiterhin das Gros des Umsatzes bei Eventagenturen aus. An zweiter Stelle stehen Public-Events mit knapp 20%, gefolgt von Mitarbeiter-Events/Incentives mit rund 10%. Etwas abgeschlagen rangieren Promotion Events (7,1%), Exhibition-Events (2,8%)und sonstige Events (7,9%).
Betrachtet man das durchschnittliche FME-Mitglied, so stellt es sich in 2005 wie folgt dar: 27 Mitarbeiter führten insgesamt 87 Veranstaltung durch und erwirtschafteten einen Umsatz in Höhe von 6,68 Mio. Euro und ein Gross Income in Höhe von 2 Mio. Euro.
Für die Bereiche Messe-Architektur/-Design und Event-Catering fehlen bislang noch detaillierte Daten.
Der Ausblick in die Zukunft
Positiv sehen die Mitglieder des FME die wirtschaftliche Situation ihrer Betriebe. So benoten sie auf einer Schulnotenskala ihr eigenes Geschäft in 2005 mit 2,3 für 2006 und 2007 erwarten sie eine 2,2. Die Branche betrachten sie kritischer: 2,7 in 2005 und 2007 und eine 2,3 für 2006.
Ausblick auf die Direkte Wirtschaftskommunikation in 2006
Gegenwärtig herrscht im deutschen Kommunikationsmarkt ein deutlicher Stimmungswandel. Rechneten im Herbst 2005 lediglich 30% der im ZAW zusammengeschlossenen Verbände der werbenden Firmen, Agenturen, Medien und Forschung mit wachsenden Werbeausgaben, sind es im Frühjahr 2006 bereits 58%. Auch die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage Deutschlands fällt spürbar positiv aus. So beurteilen jetzt 53% der Unternehmen die Konjunktur ihres Wirtschaftszweiges als „steigend“ gegenüber 27% im Herbst des Jahres 2005. Sorgen bereitet jedoch die zum 01.01.2007 kommende Mehrwertsteuererhöhung von 16% auf 19%. Hier werden dämpfende Effekte für den deutschen Kommunikationsmarkt befürchtet. **
*Bei der Direktmarketing-Studie der Deutschen Post AG handelt es sich um eine Repräsentativerhebung. Von insgesamt 2.784.000 Deutschen Unternehmen wurden 2918 Unternehmen mit einem Jahresumsatz > 0,25 Mio. Euro und 694 Unternehmen mit einem Jahresumsatz < 0,25 Mio. Euro befragt. Aufgrund des Untersuchungsansatz und der großen Stichprobe sind die Daten als valide zu bewerten
** Quellen: AUMA, Direkt-Martketing-Studie der Deutschen Post AG, ZAW, eigene Erhebungen.