Im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung wird der FAMAB vom Fachverband Konzeption und Dienstleistung für Messe und Event zum FAMAB Verband Direkte Wirtschaftskommunikation. In einem Interview erläutern der Vorsitzende Claus Holtmann und der 2. Vorsitzende Vok Dams Gründe, Erwartungen und Strategien, die im Zusammenhang mit dem Namenswechsel stehen.
Herr Holtmann, Herr Dams, was verspricht sich der Verband von dieser „Umfirmierung“?
CH: Es ist uns wichtig, dass der FAMAB als visionärer, strategischer Marktpartner erkannt wird und nicht den Entwicklungen einfach nur folgt.
VD: Wenn man etwas weiter ausholen möchte, muss man feststellen, dass Kunden heute ganzheitlich arbeiten. Messen und Events gehören ins Marketing-Konzept wir PR oder klassische Werbung. Dennoch, die Kosten und Aufwendungen werden hinterfragt, der Nutzen einzelner Maßnahmen wird insgesamt hinterfragt. Es wird überprüft, ob sich einzelne Maßnahmen rechnen, oder ob es nicht andere Maßnahmen gibt, die besser geeignet sind. An diesem Punkt ist es wichtig, Gesprächspartner zu haben, mit denen man das Für und Wider diskutieren kann. In unserem Fall: was ist besser: eine Roadshow oder ein Messeauftritt? Ist ein Messeauftritt mit Begleitveranstaltung besser oder konzentriert man sich auf die eigentliche Messebeteiligung? Wenn Messe dann international oder regional? Ich brauche Gesprächspartner auf einer Ebene, die eine übergreifende Kompetenz haben. Das ist das Kernthema, das wir mit dem Verband deutlich machen wollen.
In dem Moment, in dem Kunden merken, das ein Verband auf Veränderungen reagiert, das Mitglieder sich mit der Entwicklung nicht nur anfreunden, sondern sie aktiv nach vorne treiben, haben unsere Kunden natürlich das Gefühl, dass wir die richtigen Gesprächspartner sind - egal ob es der Verband selbst ist oder dessen Mitglieder.
Sie sprechen Veränderungen im Markt an, welche meinen Sie konkret?
VD: Wenn ich beispielsweise an die Mercedes-Präsentationen von Markgraph denke: Ist das ein Event oder ist das ein Messeauftritt? Eigentlich ist es beides. Man sieht an dem Beispiel sehr genau, dass hier ein Zusammenwachsen erfolgt. Wenn ich versuche diesen Bereich zu trennen, muss ich künstlich Trennlinien ziehen, und das kann es nicht sein.
CH: Man sieht das auch sehr gut an den Einreichungen zu ADAM und EVA: Es gibt dort weite Überschneidungsbereiche von Messen und Events. Eine Einreichung bei EVA gehört oftmals vom Inhalt zum Bereich ADAM und vice versa. An der Stelle vermischen sich häufig auch die Player, die für die Konzepte und deren Realisierung stehen. An dieser Stelle möchte ich aber noch einen Punkt anfügen. Der FAMAB ist seit Mitte der neunziger Jahre auf dem Weg sich umzupositionieren, sich zu verändern. Hätte dieser Positionswechsel nicht stattgefunden, wäre der FAMAB heute ein unstrategisch aufgestellter Verband, der von seinen Mitgliedern selbst überholt worden wäre. Das, was wir jetzt machen, ist ein Stück logische Konsequenz der Entscheidungen des FAMAB vor rund zehn Jahren. Und es ist ein großes Stück mehr zukunftsgerichtet als es die sprachlichen Metamorphosen der letzen Jahre waren. Wie kommt es dann zum Begriff Direkte Wirtschaftskommunikation?
VD: Wichtig war es für uns, einen Begriff zu finden, der nicht belegt ist. Das ist der eine Aspekt und der Zweite ist, wir wollten ganz bewusst nicht auf englische Werbevokabeln setzen, sondern einen Begriff finden, der seinen Ursprung im deutschen Sprachgebrauch hat und eindeutig zuzuordnen ist. Ich glaube, dass ist uns gelungen.
CH: In Konkurrenz zur neuen Sprachreglung „Direkte Wirtschaftskommunikation“ standen Begriffe, die man schon kennt, die aber unter einer Auslegungsbreite litten. Sprich man konnte, je nach Auslegung, den FAMAB darunter subsumieren oder auch nicht. Wir haben festgestellt, dass die bisherigen Begriffe – von Live-Kommunikation bis 3-D-Marketing – nicht mit einer strategischen Zielrichtung geschöpft worden sind. Der gesamte Markt, den wir zu beschreiben versuchen, konnte darunter nicht immer verstanden werden. Die Begriffe sind irgendwie entstanden und deshalb greifen sie an bestimmten Stellen zu kurz.
Direkte Wirtschaftskommunikation ist aber natürlich sehr nah an Direct-Marketing.
CH: Das ist der einzige Begriff, der uns ein wenig weh tut. Wenn man sich die „direct-marketer“ anschaut, ist das wenigste von dem was sie Tun direkt im wirklichen Sinne. Wir geben dem Wort „Direkt“ eine wesentlich positivere Bedeutung im Kommunikationszusammenhang. Wir meinen: Menschen begegnen sich. Und das ist die einzig sinnvolle Erklärung von direkt unserer Ansicht nach.
Sieht das nur der Vorstand so, oder sieht das auch das Gros der Mitglieder so?
CH: Die Umbenennung in FAMAB - Verband Direkte Wirtschaftskommunikation wird von allen Foren sehr positiv aufgenommen. Auch der FAMAB Exhibition, die Keimzelle des Verbands, der sich jetzt FMA, Forum Messe und Ausstellung nennt, steht voll hinter der Veränderung. Der Begriff FMA ist zudem sehr schlüssig und passt wesentlich besser zu der Mitgliedergruppe als FAMAB Exhibition, das war eine Krücke, das hat jeder gemerkt und gefühlt.
Die drei weniger betroffenen Foren, FME, FDA und LECA stehen dem Ganzen sowieso sehr positiv gegenüber. Damit kann man sagen, im Mitgliederkreis haben wir keine Probleme mit der Umbenennung, denn bei allen Foren haben wir positive Voten eingesammelt.
VD: Auch die Messebau-Unternehmen müssen ihre Struktur verändern, müssen ihr Geschäftsfeld verändern, um zu überleben. Wenn Leistungen über das Internet ausgeschrieben werden, dann kann ein Messebau-Betrieb nicht allein über den Preis überleben, d.h. sie müssen sich neu orientieren.
Wenn das die Anforderung an die Mitglieder ist, dann müssen wir einen Verband haben, der ihnen den Weg bereitet, der ihnen eine Perspektive und eine Plattform bietet. Es ist die Aufgabe des FAMAB einerseits sehr sensibel aber auch sehr schnell zu reagieren, das erwarten die Mitglieder.
Wenn wir im Vorstand die Vorreiter sind, so ist das nur positiv: Man hat als Mitglied das Gefühl, da sind die richtigen Leute an der richtigen Stelle unterwegs. Sie ergreifen die Initiative und versuchen das Ganze nach vorne zu bringen.
Wie wollen Sie übrigen Marktpartner abholen?
CH: Bei den anderen Playern im Markt muss man ein Stück weit sehen. Es gibt die alten Vertrauten, die die historische Bedeutung des FAMAB noch gelernt haben. Da gibt es eine Reihe von Partnern die die alten Begrifflichkeiten noch im Kopf haben. Ich finde, dass das im Augenblick nicht viel schadet.
Aber, jeder Neue lernt den FAMAB unter der neuen Begriffsbestimmung kennen. Die, die den FAMAB schon kennen, wissen eigentlich aus der bisherigen Zusammenarbeit, dass dort mehrere Spezialistengruppen zu finden sind. Der FAMAB steht für Kompetenz eines übergeordneten Marktes, unabhängig ob sie Begrifflichkeiten immer genau auseinander gehalten haben, diese Menschen haben den richtigen Bedeutungsinhalt des Verbandes, die müssen nur noch den neuen Namen lernen. Denn, rein sprachanalytisch, richtig ist der Begriff allemal.
VD: Mit dem Schritt den wir jetzt gehen, wird deutlich, dass das, was wir in den letzten Jahren gemacht haben, eine ganz klar zielorientierte, strategische Maßnahme war. Das war nicht der Zufall und auch nicht das Ergebnis spontaner Diskussionen. Wir hatten und haben ein Ziel vor Augen, und dieses Ziel haben wir sehr konsequent angegangen.
Wie wird der neue FAMAB kommunizieren?
VD: Wir wollen das schon als einen Meilenstein in der Geschichte des Verbands deutlich machen und dies nach innen wie nach außen kommunizieren. Nach innen wird das auf der JHV erneut geschehen.
Weiter stellen wir uns vor, dass die Kommunikationsstrategie für das kommende Jahr genau die Möglichkeiten des Marktsegments Direkte Wirtschaftskommunikation in den Vordergrund stellen wird. Wir werden das Leistungsspektrum der Mitglieder transparent machen, und wir werden natürlich auch diese Branche transparenter machen insbesondere im Hinblick auf unsere Kunden.